Kann eine Konzeption das Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit sein?

Wer Wissenschaft betreibt, sucht eine neue Erkenntnis, die ihm bislang fehlt. Damit ist Wissenschaft eine zielorientierte Aktivität.

Man kann nicht vorhersehen, ob das inhaltlich erwartete oder erwünschte Ergebnis tatsächlich erreicht wird.

In hochschulischen Arbeiten wird indes oftmals ein Praxisziel angestrebt, nicht ein Untersuchungsziel. So soll etwa ein Businessplan erstellt oder eine Kampagne entworfen und gestaltet oder gar eine Konzeption erarbeitet werden.

Aber damit wäre nicht eine neue Erkenntnis, sondern ein Produkt – etwa eine Handlungsanleitung oder eine Maßnahme der Medienkommunikation – als Ziel definiert.

Wissenschaftliches Arbeiten meint forschendes Arbeiten

Insofern sei hier der mancherorts vorzufindenden Praxis widersprochen, eine wissenschaftliche Arbeit müsse zwar nach wissenschaftlichen Qualitätskriterien erstellt werden, brauche selbst aber keinen substantiellen Beitrag zur Forschung zu leisten.

Wissenschaftlichkeit ist keine Formsache, sondern ein Paradigma: Es wird geforscht! Nichts mehr und nichts weniger.

Wissenschaftlichkeit kann also nicht als auf Formales reduziert verstanden und bewertet werden, wie etwa das Vorhandensein von Gliederung, Zitierungen, Verzeichnissen etc.

Daher wäre es ein Verstoß gegen das wissenschaftliche Qualitätskriterium der Ehrlichkeit, in einer lediglich formal wissenschaftlich aussehenden Arbeit nicht zu forschen, sondern etwas Praktisches zu konzipieren oder zu gestalten. Es würde nämlich auf ein bereits vorgegebenes Ergebnis hin gearbeitet, wenn etwa ein funktionierendes Marketingkonzept für ein Unternehmen erstellt oder ein nutzbares Medienprodukt gestaltet würde.

Wissenschaft muss immer ergebnisoffen agieren. Das ist bei Praxiszielen nicht möglich, bei denen am Ende ein Konzept oder gar ein funktionierendes Produkt geleistet sein muss, zudem oft gemäß externer Vorgabe.

Ein praktikabler Weg

Den wissenschaftlichen Charakter kann man aber sicherstellen, wenn man sich nicht die eigentliche Konzeption oder Gestaltung o. ä. als Ziel setzt. Stattdessen wird man die ehrliche wissenschaftliche Prüfung der für eine solche Konzeption oder Gestaltung gewünschten oder denkbaren Mittel und Rezepturen als Untersuchungsziel festlegen.

Zietlsetzungen

Dies belässt dem Forschenden die Freiheit der Wissenschaft: Er kann dann ggf. auch zu dem Ergebnis kommen, dass einige der von den Praktikern vielleicht bevorzugten Mittel und Rezepturen als für den konkreten Anwendungsfall wenig hilfreich zu beurteilen sind.

Eine wissenschaftliche Arbeit wird also nicht immer ein in den Augen der Praktiker „positives“ Ergebnis liefern – nämlich das, was sie sich erhofft hatten.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist aber jedes methodisch und qua Vorgehensweise „sauber“ zustande gekommene wissenschaftliche Ergebnis stets ein positives Ergebnis, da ein fundierter Erkenntnisgewinn. Und dieses Ergebnis wird auf jeden Fall nützlich sein für die Praktiker; es kann womöglich Schaden für die Praktiker abwenden oder vermeiden helfen.

Insofern wird eine wissenschaftliche Arbeit – sozusagen im Vorfeld – zwar einen wertvollen Beitrag für ein Praxisziel leisten, kann es nicht aber selbst realisieren.

 
 

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