Schneller hören: schneller lernen?
23. Mär 2025
Speed Listening: Hilft schnelles Hören wirklich beim Lernen? Erfahre, warum Durchdenken wichtiger ist als Tempo und wie du wissenschaftliches Arbeiten meisterst.
„Hörst du öfter Sprachnachrichten in doppelter Geschwindigkeit ab und kannst du dir danach auch alles merken?“
So leitete die Quarks-Redaktion ihren Facebook-Post am 18. März 2025 ein und zeigte anschließend das Posterbild.
In ihrem ersten Kommentar schrieben die Kölner, dass unser Gehirn kein Problem mit der Wiedergabe in doppelter Geschwindigkeit habe, aber sie bezogen sich dabei in erster Linie auf Podcasts oder Serien und nicht auf das Lernen und mögliche Lernstrategien. Bei normaler Geschwindigkeit kämen etwa 150 Wörter pro Minute vor, das Gehirn könne aber bis zu 300 Wörter pro Minute verarbeiten, wenn man sich auf Signalwörter konzentriere.
Und dann: „Schnell abgespielte Inhalte können zudem das Verständnis und die Erinnerungsfähigkeit verbessern! Das hilft beim Lernen, besonders wenn die gewonnene Zeit für weitere Lerneinheiten genutzt wird.“
Was hat das mit unserem Lernen zu tun?
Schauen wir in die Modulbeschreibungen unserer Curricula, so finden wir nirgends als „Learning Outcome“, dass die Studierenden in der Lage sind, die gehörten Vorträge oder Vorlesungen wiederzugeben. Auch nicht, dass sie das Gehörte verstanden haben.
Vielmehr zielen die Qualifikationsziele darauf ab, dass nach dem ohnehin notwendigen Verstehen und Erinnern auch das Anwenden, ja sogar das Analysieren und Gestalten von Neuem möglich ist.
Eine „Lernstrategie“, die lediglich darin besteht, das Gehörte möglichst vollständig verstanden zu haben und wiedergeben zu können, kann sich daher nur auf die Grundlagen, nicht aber bereits auf das eigentlich anzustrebende Lernergebnis – Learning Outcome – beziehen.
Und ob das Hören und Verstehen des Inputs bei den Grundlagen möglichst schnell erfolgen muss, sei dahingestellt – das Durchdenken und Ausmalen von Details für die eigene Anwendung während des Vortrags verträgt vermutlich gerade keine solchen erhöhten Vortragsgeschwindigkeiten.
Es geht eigentlich um Learning Outcome
Die Bloom'sche Taxonomie liegt unseren Lernprozessen an den Hochschulen zugrunde. In der folgenden Grafik habe ich sie mit Verben beschrieben, die angeben, was die Lernenden nach welcher Phase wirklich können sollten.

Was uns der Beitrag von Quarks liefert, sind also lediglich Hinweise für die beiden untersten Ebenen (Level I).
Ohne mindestens auch Level II erreicht man nämlich nicht die Qualifikationsziele in den Modulen des Bachelorstudiums, und ohne Level III geht es nicht im Masterstudium.
Speed Listening in unseren Selbstlernkursen

Auch in unseren Online-Kursen ist die Abspielgeschwindigkeit eines jeden Videos einstellbar, von 0,25- bis 2-fach. Im Verlauf einer Lektion lässt sich das stets ändern.
Im aktuell neuesten Kurs werden zudem nicht mehr Untertiteleinblendungen angeboten, sondern ein automatisch mitlaufendes Transkript unterhalb des Videos.
Speed Listening könnte womöglich für trainierte Speed Reader tatsächlich eine ergänzende und vertiefende Aufmerksamkeits- und Verständnishilfe sein.
Relevanz des Speed Listening
Für unsere Studienleistungen und deren Bewertung sind also die Prüfungsergebnisse nach den Stufen der Bloom'schen Taxonomie relevant.
Ob in den beiden unteren Stufen eine Beschleunigung durch schnelles Sprechen oder Hören hilfreich ist, um die nächsthöheren Stufen erfolgreich zu meistern, mag im Einzelfall möglich sein – entscheidender ist jedoch, dass die Neuerungen des Vorgetragenen beim Lernenden en detail „ankommen“ und reflektiert werden.
Schnell gehört ist sicher nicht gut durchdacht!
Die beiden von Quarks zitierten Quellen deuten jedenfalls darauf hin, dass vielleicht jüngere, keinesfalls aber ältere Erwachsene „Speed Listening“ betreiben sollten – und dass man Videolektionen besser nur zu Wiederholungszwecken in doppelter Geschwindigkeit abspielen sollte.
Wobei Speed Listening tatsächlich helfen kann
Das Erinnern an den früheren ersten Durchlauf in normaler Geschwindigkeit könnte schneller möglich sein – und der Schnelldurchlauf könnte auf diese Weise auffrischend wirken, dabei „glücklich machen“.
Quarks' Quellen
- Murphy et al.: The Effect of Video Playback Speed on Learning and Mind-Wandering in Younger and Older Adults (2023) [Abrufdatum 23. März 2025: Volltext per DOI nicht erreichbar]
- Murphy et al.: Learning in double time: The effect of lecture video speed on immediate and delayed comprehension (2021)
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